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Nephrologie-Beratung in heller Praxis mit Seniorenpaar

Nierenversagen als mögliche Ursache einer Polyneuropathie

Wie eingeschränkte Nierenfunktion Nerven belasten kann, welche Werte beim Arzt zählen und was Sie selbst ergänzend tun können.

4. Februar 2021 Lesedauer ca. 4 min

Eine Polyneuropathie hat viele mögliche Ursachen. Eine davon ist eingeschränkte Nierenfunktion. Wenn die Nieren Schad- und Abbaustoffe nicht mehr zuverlässig aus dem Blut filtern, können auch Nerven gereizt oder geschädigt werden. Erste Hinweise zeigen sich häufig schon, bevor eine ausgeprägte Niereninsuffizienz auffällt.

Wie kranke Nieren die Nerven belasten

Die Nieren entgiften den Körper, regeln den Wasser- und Mineralhaushalt und scheiden Abbauprodukte des Stoffwechsels aus. Wenn diese Filterleistung nachlässt, sammeln sich harnpflichtige Substanzen wie Harnstoff oder Kreatinin im Blut an. Mediziner sprechen dann von einer urämischen Belastung. Diese sogenannten Urämietoxine gelten als ein Auslöser für die urämische Polyneuropathie, bei der vor allem die langen Nervenbahnen in Füßen und Beinen reagieren.

Hinzu kommt: Eine eingeschränkte Nierenfunktion stört auch den Vitamin- und Mineralstoffhaushalt. Werden zum Beispiel B-Vitamine schlechter verwertet oder verändert sich der Elektrolythaushalt, kann das die Reizweiterleitung in den Nerven zusätzlich beeinträchtigen.

Welche Beschwerden bei urämischer Polyneuropathie auftreten können

Wie sich die Beschwerden zeigen, hängt davon ab, welche Nervenfasern stärker betroffen sind. Häufig beginnt es in den Füßen und steigt langsam an Unterschenkeln und Händen weiter auf. Typische Hinweise sind:

  • Kribbeln, Ameisenlaufen oder Brennen in Füßen, Zehen oder Fingerspitzen, oft beidseitig.
  • Taubheitsgefühle und ein „watteartiges“ Gangbild, weil die Rückmeldung aus den Füßen schwächer wird.
  • Muskelschwäche oder Krämpfe, wenn auch die motorischen Nervenfasern betroffen sind.
  • Restless-Legs-ähnliche Beschwerden mit Unruhe in den Beinen, vor allem abends und nachts.

Wichtig zu wissen – Beschwerden in Füßen oder Händen sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Eine urämische Polyneuropathie lässt sich nur in Zusammenschau mit Nierenwerten, Anamnese und neurologischer Untersuchung sicher einordnen. Selbstdiagnosen ersetzen das nicht.

Diagnose: Welche Werte beim Arzt zählen

Wenn die Vermutung im Raum steht, dass die Nieren beteiligt sein könnten, schaut die ärztliche Diagnostik in zwei Richtungen: einmal auf die Nierenfunktion, einmal auf die Nervenfunktion. Diese Werte und Untersuchungen sind dabei besonders aufschlussreich:

  • Kreatinin und Harnstoff im Serum: Erhöhte Werte können auf eine eingeschränkte Filterleistung der Nieren hinweisen.
  • GFR (glomeruläre Filtrationsrate): Sie schätzt ein, wie viel Blut die Nieren pro Minute reinigen. Eine reduzierte GFR ist ein zentraler Marker für Niereninsuffizienz.
  • Urinuntersuchung: Eiweiß im Urin (Albuminurie) kann auf eine Schädigung der Nierenkörperchen hindeuten.
  • Elektroneurografie (ENG) und Elektromyografie (EMG): Sie messen, wie schnell und gleichmäßig Nervenimpulse weitergeleitet werden, und ordnen die Ausprägung einer Polyneuropathie ein.
  • Blutzucker, B-Vitamine und Schilddrüsenwerte: Diese werden meist ergänzend bestimmt, weil mehrere Ursachen gleichzeitig vorliegen können. Mehr zu Blutwerten und Nervenschäden

Behandlung: Erst die Ursache, dann die Beschwerden

Im Vordergrund steht immer die Behandlung der Nierenerkrankung selbst. Je nach Stadium kann das eine angepasste Ernährung, eine medikamentöse Therapie oder, bei fortgeschrittenem Nierenversagen, eine Dialyse bedeuten. Eine gut eingestellte Nierentherapie kann die Belastung der Nerven oft reduzieren, sodass sich Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle bessern können.

Ob die Polyneuropathie vollständig zurückgeht, hängt von vielen Faktoren ab, etwa wie lange die Nerven schon belastet sind und wie gut die Nierenfunktion stabilisiert werden kann. Eine Garantie für ein Verschwinden der Beschwerden gibt es nach heutigem medizinischem Stand nicht.

Was Sie selbst im Alltag tun können

Ergänzend zur ärztlichen Behandlung gibt es Bausteine, die Sie selbst in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt umsetzen können:

  • Termine und Kontrollwerte (Kreatinin, GFR, Blutdruck) regelmäßig wahrnehmen, statt sie aufzuschieben.
  • Auf eine nierenfreundliche, vom ärztlichen Team abgestimmte Ernährung achten, vor allem mit Blick auf Salz, Eiweiß und Trinkmenge.
  • Bewegung in einem Maß, das zu Ihrer Belastbarkeit passt, etwa Spaziergänge oder leichtes Gehtraining.
  • Füße täglich beobachten, bequemes Schuhwerk wählen und Druckstellen frühzeitig ansprechen.
  • Beschwerden, Auslöser und Verlauf notieren, damit Ihr ärztliches Team Veränderungen besser einordnen kann.

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