Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine akute Erkrankung des peripheren Nervensystems und zugleich eine Form der Polyneuropathie. Fachlich handelt es sich um eine akute inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie. Kennzeichnend ist eine Muskelschwäche, die sich innerhalb kurzer Zeit verstärkt, sich nach einer Behandlung aber häufig wieder zurückbilden kann.
Charakteristisch sind aufsteigende, symmetrische Lähmungen, deren Grundlage eine entzündliche Schädigung der Nerven ist. Als Ursache wird eine Autoimmunreaktion angenommen: Das körpereigene Immunsystem greift entweder die Myelinscheide an, die für eine schnelle Signalübertragung sorgt, oder den signalleitenden Teil der Nerven. Häufig tritt das Guillain-Barré-Syndrom nach Infekten auf. Erstmals beschrieben wurde es 1916 durch die französischen Neurologen Georges Guillain und Jean Alexandre Barré. Es kann in jedem Alter auftreten, gehäuft im frühen Erwachsenenalter sowie zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr. Anders als das verwandte, langsam fortschreitende Krankheitsbild der chronisch inflammatorisch demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP) verläuft das GBS akut.
Wichtig zu wissen – Das Guillain-Barré-Syndrom kann sehr schnell fortschreiten und betrifft mitunter die Atmung. Es ist ein medizinischer Notfall. Wenn Sie eine rasch zunehmende Schwäche in Beinen oder Armen, Kribbeln oder Empfindungsstörungen bemerken, suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe oder rufen Sie den Notruf. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser stehen die Aussichten auf eine Erholung.

Symptome und Verlauf
Meist beginnen die ersten Beschwerden in beiden Beinen und breiten sich von dort nach oben bis in die Arme aus. Seltener setzen sie in den Armen oder im Kopfbereich ein und wandern nach unten. Bemerkbar macht sich das Guillain-Barré-Syndrom durch Schwäche, Kribbeln und teilweise einen Empfindungsverlust. Die Schwäche ist bei den meisten Betroffenen nach etwa drei Wochen am stärksten ausgeprägt, häufig fehlen Reflexe oder sind abgeschwächt.
Bei einem kleinen Teil der Betroffenen ist die Atmung so stark geschwächt, dass eine künstliche Beatmung nötig wird. Bei mehr als der Hälfte sind die Gesichts- und Schluckmuskeln betroffen. Ist die Symptomatik besonders stark, kann auch das vegetative Nervensystem mitbetroffen sein, etwa mit Blutdruckschwankungen oder Herzrhythmusstörungen. Eine Sonderform ist das Miller-Fisher-Syndrom mit Augenbewegungsstörungen, unsicherem Gang und fehlenden Reflexen. Weil sich die Symptome rasch verschlechtern können, ist eine sofortige Behandlung in der Klinik erforderlich.
Wie das Guillain-Barré-Syndrom festgestellt wird
Schon anhand der typischen Beschwerden lässt sich häufig ein Verdacht stellen. Zur Sicherung der Diagnose nutzen Ärzte verschiedene Untersuchungen, die ein klares Bild ergeben. Die folgenden Verfahren kommen dabei am häufigsten zum Einsatz:
- Lumbalpunktion: Entnahme von Nervenwasser aus der unteren Lendenwirbelsäule. Ein hoher Eiweißgehalt bei gleichzeitig kaum vorhandenen weißen Blutkörperchen spricht für ein GBS.
- Elektromyographie (EMG): Messung der elektrischen Aktivität in den Muskeln.
- Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, um Hinweise auf eine Schädigung der Nervenhüllen zu erhalten.
- Bluttests zur Abgrenzung anderer möglicher Ursachen.
- Magnetresonanztomographie (MRT) als ergänzendes bildgebendes Verfahren.
Behandlung und Prognose
Da das Guillain-Barré-Syndrom akut und ernst verlaufen kann, gehört die Behandlung in die Klinik. Im stationären Rahmen werden die Vitalfunktionen fortlaufend überwacht, bei Bedarf wird die Atmung unterstützt. Zur eigentlichen Therapie kommen vor allem Immunglobuline und der Plasmaaustausch zum Einsatz. Im Anschluss schließt sich in der Regel eine Rehabilitation an, in der Beweglichkeit und Kraft Schritt für Schritt wieder aufgebaut werden.
Die Aussichten sind insgesamt günstig. Mit Behandlung kommt das Fortschreiten meist nach etwa acht Wochen zum Stillstand, danach bilden sich die Symptome oft in umgekehrter Reihenfolge zurück. Wird früh behandelt, können sich Beschwerden schon innerhalb von Tagen oder Wochen bessern. Bei einem Teil der Betroffenen bleibt über längere Zeit eine Restschwäche bestehen. Eine engmaschige ärztliche Begleitung bleibt deshalb wichtig.

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