Eine Polyneuropathie entsteht, wenn die peripheren Nerven in Beinen, Füßen oder Händen geschädigt sind. Die häufigsten Auslöser sind erworben – etwa Diabetes mellitus, langjähriger Alkoholkonsum, Nährstoffmängel oder Medikamentenwirkungen. Ein kleiner Teil der Erkrankungen ist jedoch erblich bedingt. Wann das so ist, welche Formen Ihre Familie betreffen können und wann eine humangenetische Beratung sinnvoll ist, erfahren Sie hier.
Ist Polyneuropathie vererbbar?
Grundsätzlich gibt es erbliche Formen der Polyneuropathie, sie sind jedoch deutlich seltener als die erworbenen. Die Medizin fasst sie unter dem Begriff hereditäre Neuropathien zusammen. Am bekanntesten ist die Gruppe der hereditären motorisch-sensiblen Neuropathien (HMSN) – auch Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung (CMT) genannt. Daneben gibt es seltenere Formen wie die hereditären sensiblen und autonomen Neuropathien (HSAN) und die hereditäre Neuropathie mit Druckparesen (HNPP).
Was alle hereditären Formen gemeinsam haben: Sie beruhen auf einer Veränderung im Erbgut, die sich auf die Funktion oder den Aufbau der Nervenfasern auswirkt. Beschwerden wie Kribbeln, Taubheitsgefühle, Muskelschwäche oder Gangunsicherheit beginnen häufig schon im Kindes- oder Jugendalter und entwickeln sich langsam über Jahre und Jahrzehnte.
Bekannte hereditäre Formen im Überblick
Eine erste Orientierung – die genaue Einordnung trifft immer eine fachärztliche Diagnostik.
- HMSN Typ 1 (CMT 1): verdickte Nervenscheiden, verlangsamte Nervenleitung, oft Hammerzehen und schmale Wadenmuskulatur
- HMSN Typ 2 (CMT 2): axonale Form, normale Nervenleitgeschwindigkeit, Muskelschwäche steht im Vordergrund
- HMSN Typ 3 (Déjérine-Sottas): früher Beginn im Kindesalter, ausgeprägte Verdickung der Nerven, deutlich verlangsamte Leitung
- HMSN Typ 4 (Refsum-Syndrom): Stoffwechselerkrankung mit Beteiligung von Augen, Gehör und Bewegungsapparat
- HMSN Typ 5–7: sehr seltene Formen mit zusätzlichen Symptomen wie Sehstörungen oder spastischen Lähmungen
- HSAN: hereditäre sensible und autonome Neuropathie – betrifft Schmerz- und Temperaturempfinden sowie vegetative Funktionen
- HNPP: erhöhte Empfindlichkeit der Nerven gegenüber Druck, kurzzeitige Lähmungen an Druckstellen
Wann eine genetische Abklärung sinnvoll sein kann
Ein genetischer Test ist kein Standardweg bei jeder Polyneuropathie. Sinnvoll wird er erst, wenn bestimmte Hinweise zusammenkommen: Beschwerden, die schon in jungen Jahren begonnen haben, eine langsam-fortschreitende Symptomatik über viele Jahre, ähnliche Beschwerden bei mehreren Familienmitgliedern oder typische Befunde in der neurologischen Untersuchung wie Hammerzehen, Hohlfüße oder eine schmale Wadenmuskulatur.
Die Abklärung läuft in der Regel über eine neurologische Spezialambulanz oder ein humangenetisches Institut. Dort wird zunächst die Familiengeschichte erhoben und entschieden, welche Untersuchungen sinnvoll sind – von der Nervenleitgeschwindigkeit bis zur gezielten Genanalyse.

Humangenetische Beratung empfohlen – Wenn in Ihrer Familie mehrere Personen ähnliche Nervenbeschwerden haben oder eine erbliche Neuropathie bereits bekannt ist, ist eine humangenetische Beratung der richtige Weg. Dort werden Vererbungsmuster, Wahrscheinlichkeiten für Geschwister und Kinder sowie sinnvolle Untersuchungen in Ruhe erklärt – auf Wunsch auch ohne sofortige Testung.
Was bedeutet das für Angehörige?
Wird in einer Familie eine hereditäre Polyneuropathie diagnostiziert, taucht meist schnell die Frage auf: Was heißt das für meine Geschwister, meine Kinder, meine Enkel? Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Das Risiko hängt vom Vererbungsmuster ab – manche Formen werden autosomal-dominant weitergegeben, andere autosomal-rezessiv oder X-chromosomal. Auch innerhalb einer Familie können Beschwerden unterschiedlich stark ausfallen.
Wichtig zu wissen: Eine erbliche Veranlagung bedeutet nicht zwingend, dass Beschwerden früh oder stark auftreten. Viele Menschen mit einer genetischen Disposition leben jahrzehntelang ohne nennenswerte Symptome. Wer sich unsicher fühlt, kann mit der hausärztlichen Praxis oder einer neurologischen Sprechstunde besprechen, ob eine humangenetische Beratung der nächste Schritt ist.
Auch wenn die Ursache erblich ist, bleibt der Umgang mit Beschwerden im Alltag wichtig: regelmäßige Bewegung im verträglichen Rahmen, achtsame Fußpflege, eine ausgewogene Ernährung und Therapien, die das Nervensystem unterstützen, können die Lebensqualität spürbar verbessern.
Beschwerden früh einordnen – egal ob erblich oder erworben
Ob Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle eine erbliche oder erworbene Ursache haben: Je früher Sie die Beschwerden einordnen, desto eher können Sie handeln. Der kostenlose Selbstcheck gibt Ihnen in wenigen Minuten eine erste Orientierung, ob Ihre Beschwerden zum Bild der Polyneuropathie passen. Das HiToP® PNP ist eine alternative, nicht schulmedizinische Therapieform und als geprüftes Medizinprodukt registriert. Bei Fragen ist unser telefonisches Expertenteam in Deutschland für Sie da.

Mehr aus dem Wissensbereich
Weitere Themen, die für Sie interessant sein könnten:

