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Symptome der Polyneuropathie

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Störung der Tiefensensibilität – Mögliches Symptom bei Polyneuropathie

Bei Störungen im nervalen Netzwerk des Körpers, wie beispielsweise einer Polyneuropathie, kommt es zu Falschinformationen. Grund sind geschädigte oder zerstörte, periphere Nervenfasern, welche die Signale aus den Extremitäten in das Zentrale Nervensystem transportieren. Das Ergebnis sind Missempfindungen (Parästhesien), wie Kribbeln, Taubheitsgefühle, Schmerzen oder Muskelkrämpfe, vor allem an den Händen, Armen, Beinen und Füßen.
Polyneuropathie hat viele Ursachen
Auch wenn die Erkrankung stark verbreitet ist, so ist unklar, wie viele Menschen an einer Polyneuropathie leiden. Neueste Schätzungen für Deutschland gehen davon aus, dass bis zu zehn Prozent der Deutschen betroffen sind. Damit gehört die Polyneuropathie zu den häufigsten Erkrankungen des peripheren Nervensystems, vor allem in zunehmendem Alter. Insbesondere ab 65 Jahren steigt das Risiko an einer Form von Polyneuropathie zu erkranken. Die entsprechende Ursache entscheidet über den Zeitpunkt des Auftretens und die Ausprägung.
Die Wissenschaft kennt inzwischen rund 300 verschiedene Auslöser für eine Polyneuropathie. Man unterscheidet zwischen angeborenen und erworbenen Polyneuropathien. Bei rund einem Fünftel der Betroffenen bleibt die Ursache unbekannt. Autoimmunerkrankungen und Infektionen führen zu einer entzündlichen Polyneuropathie. Auch Erkrankungen der Blutgefäße sowie Medikamente oder Alkoholmissbrauch können eine Polyneuropathie auslösen. Führend sind Polyneuropathien, die als Folge von Stoffwechselkrankheiten (z. B. Diabetes, Vitaminmangel) oder Störungen des Hormonhaushalts, auftreten.

Hormon-Kraftwerk Schilddrüse

Die Schilddrüse hat als eines der wichtigsten Organe entscheidenden Einfluss auf den Hormonhaushalt des menschlichen Körpers. Arbeitet sie nicht mehr richtig, wirkt sich das auf verschiedene, körpereigene Systeme aus. Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann Ursache einer Polyneuropathie sein.


Neben Kalzitonin und TSH produziert die Schilddrüse vor allem die Hormone T3 und T4. Fällt die Produktion unter das übliche Maß, handelt es sich um eine Schilddrüsenunterfunktion. Diese hat Folgen für den Stoffwechsel: Essentielle Vitamine und Mineralien können nicht mehr in ausreichender Menge aufgenommen werden, es kommt zu vielfältigen Mangelerscheinungen. Für Betroffene sind die Folgen spürbar: Sie klagen über Müdigkeit, Erschöpfung, Gewichtszunahme und frieren leicht. Bleibt die Hypothyreose über eine längere Zeit unerkannt, kann es zu Gedächtnisproblemen, Verstopfung, Haarausfall und Depressionen kommen.

 

Mit Höchstgeschwindigkeit ans Ziel
 
Ein großer Anteil von Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion zeigt die typischen Symptome einer Polyneuropathie. Das belegt unter anderem eine groß angelegte Studie aus dem Jahr 2000*, die von rund 40 Prozent spricht. Grund sind die Auswirkungen eines zu geringen Hormonspiegels von T3 und T4. Dieser wirkt auf den Körper wie ein Ernährungsmangel. Ferner führt die Schilddrüsenunterfunktion zu einer Schädigung der Nervenfasern und ihrer Hüllen. Vor allem Letztere sind für die regelrechte Reizweiterleitung entscheidend.

Ein aufgenommener Reiz muss innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde zur Verarbeitung an Rückenmark und Gehirn weitergeleitet werden. Damit die elektrischen Signale möglichst rasch die Wegstrecke, beispielsweise aus Füßen und Händen, zurücklegen können, “springen” sie entlang der Nervenfasern. Dazu sind die Fasern umhüllt, elektrisch abgeschirmt, und besitzen lediglich einzelne Einschnürungen, die der elektrische Impuls schnell überwinden kann.

Karpaltunnelsyndrom als Folge einer Hypothyreose

Das zeigt: Nicht nur eine geschädigte Nervenfaser selbst, sondern auch eine zerstörte Abschirmung nach außen, ausgelöst durch eine Schilddrüsenunterfunktion, kann zu folgenschweren Störungen im peripheren Nervensystem führen und somit eine Polyneuropathie auslösen. Von außen kommende Signale können nicht mehr an das zentrale Nervensystem weitergeleitet werden. Betroffene leiden anfänglich an Missempfindungen, den klassischen Anzeichen und damit Ursachen einer Polyneuropathie.


Die am weitesten verbreitete, sensomotorische Erkrankung, als Folge einer Hypothyreose, ist das Karpaltunnelsyndrom. Durch die fehlenden Schilddrüsenhormone sammeln sich bestimmte Zuckermoleküle an und sorgen für die bei vielen bekannten Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Handgelenk.

Polyneuropathie: Symptome rechtzeitig deuten

Für Betroffene und Ärzte gleichermaßen wichtig ist, sowohl die Anzeichen einer Polyneuropathie möglichst frühzeitig zu erkennen als auch eine Schilddrüsenunterfunktion als mögliche Ursache abzuklären. Denn ein verlangsamter Stoffwechsel aufgrund einer Hypothyreose führt nicht nur zu belastenden Symptomen im Reizleitungssystem des Körpers. Er hat auch nachhaltig negative Folgen für Herz und Kreislauf.


Aufschluss über eine Schilddrüsenunterfunktion als Auslöser einer Polyneuropathie gibt eine Blutuntersuchung. Dabei wird, neben der Kontrolle der Schilddrüsen-Hormone, auch der Anteil an Vitaminen (speziell B12 und D) sowie Mineralien und Spurenelementen festgestellt. Die Behandlung wird auf die individuellen Ansprüche abgestimmt. Fast immer geht sie einher mit einer Umstellung der Ernährung, einer Bewegungstherapie und unterstützender Hormongabe.


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